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Viola d'amore
Viola d'amore   Programmvorschlag   Presse
 

Multitalent im Doppelpack

"Sie leidet leicht Verstimmungen", befand einst Leopold Mozart in seiner Beschreibung der Viola d'amore, jenes im 18. Jahrhundert sehr beliebten Streichinstruments mit - und da liegt der Haken - sieben Spielsaiten plus sieben darunter verlaufenden Resonanzsaiten. Dieser Umstand, gekoppelt mit dem sommerlich warmen Atem des Sonntagnachmittages, bedingte, dass die bei der "Kammermusik in der Hoflößnitz" gastierenden Musiker tatsächlich oft nachstimmen mussten. Was den Reiz des Konzerts keineswegs schmälerte: die Begegnung mit dem überaus reichen, warmen Klang der Viola d'amore. Den präsentierten Anne Schumann und Klaus Voigt, begleitet von Monika Schwamberger (Viola da gamba) und Sebastian Knebel (Cembalo), mit in der Sächsischen Landesbibliothek aufgefundenen Kompositionen weitgehend unbekannter Schöpfer.

Ein Trio des 1743 gestorbenen Franz Simon Schuchbauer, das die beiden "Liebesgeigen" im besten Sinne duettieren lässt, machte gleich zwei wichtige ihrer Eigenheiten deutlich: das Gesangliche im Ton (Aria) und den präludierenden Anstrich, der ob der vielen Saiten (deren Anordnung das akkordische Spiel sehr begünstigt) oft die schnellen Sätze prägt. Ein Paradestück dafür auch die Solo-Partita des Dresdner Hoforganisten Christin Pezold (1677-1733), die Anne Schumann vorstellte. Sinn und Zweck der frei mitschwingenden Resonanzsaiten kamen in den schlüssig gespielten Tanzsätzen - so unbegleitet - natürlich besonders zur Geltung: Während sie sich in kraftvoll-virtuosen Passagen eher "unterbewusst" in den Gesamtklang einfügen, tragen sie im Pianissimo eine eigene Komponente.

Nicht minder beeindruckend der Reichtum der Klangfarben des Instruments. Glaubte man bei Pezold zuweilen eine Harfe zu hören, waren es in der Musette des folgenden, aus anonymer Feder stammenden Trios die Klänge des gleichnamigen Instruments (besser als Sackpfeife oder Dudelsack bekannt), die die beiden Violen d'amore über dem vitalen Bordun der Bassinstrumente perfekt imitierten. Wunderbar hier auch die Gegensätze, die die Musiker zeichneten, zum Beispiel das sinnliche Adagio neben dem auftrumpfenden Allegro.

Ebenfalls von einem anonymen Schöpfer, fiel das erste Stück nach der Pause von der kompositorischen Anlage her etwas ab. Für Sebastian Knebel freilich war jenes Concerto für Cembalo obligato und zwei Viole d'amore Gelegenheit zu brillieren, während die Bassinstrumente sonst reine Begleitfunktion hatten. Was bekanntlich keinesfalls zu unterschätzen ist, und Knebel sowie Monika Schwamberger zeichneten sich denn auch als sensible, Akzente setzende Continuo-Spieler aus. Eine Ouvertüre von Wilhelm Ganspeck (1687-1770) führte am Ende noch einmal alle Facetten der Viole d'amore ins Feld: das war teils hoch virtuos, mal übermütig, mal sanft, mal rauschend, mal einschmeichelnd, mal düster -wie die Liebe eben.

Sybille Graf

Dresdner Neueste Nachrichten, 27.05.2003

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