H. I. F. Biber - Rosenkranzsonaten

Trostorgel WaltershausenDieses Werk liegt mir besonders am Herzen. Im Jahre 2004 konnte ich mit Sebastian Knebel den gesamten Zyklus anlässlich des 300. Todestages von H. I. F. Biber aufführen. Wir stellten dafür verschiedene Programme für die passenden Feiertage des Kirchenjahres zusammen.

Für das Publikum ist diese noch immer relativ unbekannte Musik jedes Mal eine Entdeckung. Für uns war es besonders spannend, als Tasteninstrument eine große Kirchenorgel zu verwenden. Das war in der damaligen Zeit nichts außergewöhnliches. So spielten wir z. B. mehrere Programme in der Stadtkirche Waltershausen mit der herrlichen historischen Trostorgel von 1730. Ich könnte mir vorstellen, dass Biber eine Orgel in der Salzburger Kathedrale für die Aufführung der Mysteriensonaten genutzt hätte.

Eine Aufnahme der Sonaten nur mit großer Kirchenorgel als Continuoinstrument erschien 2015 beim Verlag Kamprad.

VerkündigungHeinrich Ignaz Franz Biber, am 12.8.1644 in Wartenberg (Böhmen) geboren und am 3.5.1704 in Salzburg gestorben, war als Violinist weit bekannt und komponierte auch hauptsächlich für dieses Instrument. Seine Entwicklung zum unerreichten Geigenvirtuosen seiner Zeit lässt sich nur ungenau nachvollziehen. Sicher ist aber, dass er ab 1670 am Hofe des Fürsterzbischofs von Salzburg tätig war. Dort wurde Biber 1684 zum Kapellmeister ernannt.

Leiden am ÖlbergDie Mysteriensonaten, auch Rosenkranzsonaten genannt, schrieb er wahrscheinlich für die Rosenkranzfeiern in der Salzburger Kathedrale. Die als 16. Sonate angefügte Passacaglia für Violine solo war dem seit 1676 eingeführten Schutzengelfest gewidmet. Zu jeder Sonate gehört eine Kupferstichvignette, die den Inhalt der jeweiligen Sonate bestimmt. Biber erzählt musikalisch die 5 freudenreichen, die 5 schmerzens-
reichen und die 5 glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes. Die Möglichkeit, mit einem kleinen Bildchen und bildhafter Musik eine durchaus schon bekannte Geschichte noch einmal ohne Worte zu erzählen, regt die eigene Fantasie und persönlichen Gedanken des Zuhörers an, ganz so, wie es auch beim Gebet des Rosenkranzes gedacht war.

Ausgießung des Heiligen GeistesAnweisung zum Rosenkranzgebet aus einer Programmschrift der Dominikaner (17.Jh.) .....soll man(...) auch erwecken einige Anmuthung der Liebe zum guten, den Haß zum Bösen, Freud und Traurigkeit, wie die Matery wird mitbringen. Für alles aber muß man seines Verstandts ein reflex oder Widerkehr machen zu sich selbstens. Exempel Weiß, da man zu Bethlehem gegenwärtig were gewesen, da diß Kindlein gebohren ward, wie gern man ihm gedienet und auffgewartet hett (...) Und auff solche Weiß muß man die Betrachtung eines jedwederen Geheimnuß beschliessen mit einem besonderen Fürsatz genommen auß der Matery, die man beachtet hat.

Eine violintechnische Besonderheit der Rosenkranzsonaten ist die Benutzung der sogenannten Scordatur.
Scordatura (ital. verstimmen) bezeichnet eine Einstimmungsart von Streichinstrumenten, welche von der Normalstimmung (Accordatura) abweicht. Dies war in der Barockzeit eine sehr beliebte Möglichkeit, außergewöhnliche Klänge und höhere Virtuosität zu erzielen. Biber führte diese Form zum Höhepunkt. So sind 14 der 16 Rosenkranzsonaten in den verschiedensten Scordaturen zu spielen. Einige davon sind so extrem, dass ein Umbesaiten der Violine nötig ist. Die teilweise straffer gespannten Saiten sowie die Möglichkeit normalerweise nicht spielbarer Doppelgriffe und harmonischer Akkordbrechungen auf leeren Saiten lassen reizvolle Klangfarben entstehen. Lediglich die erste Sonate und die als 16. Sonate angefügte Passacaglia für Violine solo sind in der normalen Geigenstimmung zu spielen und bilden somit den Rahmen für die verschiedenen Stimmungen der anderen Sonaten.

Programmvorschläge

Der musikalische Rosenkranz

Andere Zusammenstellungen sind je nach Anlass oder auf Anfrage möglich.

Aktualisierung: 19.11.2015